Besuch des VW Motorenwerks Chemnitz

Am 10. August 2017 lud der Vorstand des Bürgervereins FUER CHEMNITZ e.V. zum diesjährigen Vereinsausflug ein. Etwa 35 Mitglieder folgten der Einladung und begaben sich auf einen spannenden Rundgang durch das VW Motorenwerk Chemnitz.

Aufgrund unserer doch recht hohen Teilnehmerzahl bildeten wir zwei Gruppen, die von je einem fach- wie sachkundigen Besucherführer betreut wurden. Ein herzlicher Dank bereits an dieser Stelle an Herrn Schwarze und Herrn Hoffmann, die uns ein sehr lebendiges Bild der Materie vermitteln konnten!

Nach einigen Belehrungen zu Beginn – „Bitte bleiben Sie in der Gruppe!“, „Bitte achten Sie auf Fahrzeuge, die unseren Weg kreuzen!“, „Bitte fotografieren Sie auf KEINEN Fall!“ – starteten wir unsere Touren. Ein kurzer Einführungsfilm im Besucherzentrum erinnerte zunächst an die Geschichte des Produktionsstandortes an der Kauffahrtei: Es befindet sich mit einer Fläche von 213.000 m² auf dem ehemaligen Chemnitzer Gelände der früheren Auto Union AG, genau gegenüber deren erster eigenen Firmenzentrale. Die Geschichte des Werkes geht auf das VEB IFA-Kombinat Karl-Marx-Stadt zurück. In den 1980er Jahren begann man hier mit der Lizenzproduktion des Viertaktmotoren VW EA111 für VW (unter anderem für den VW Polo) und für die Pkw-Modelle Wartburg 1.3 (ab 1988) und Trabant 1.1 (ab 1990). Nach der Einstellung der Fertigung dieser beiden Modelle im Jahr 1991 engagierte sich die Volkswagen AG und errichtete ein modernes Komponentenwerk.

Sehr anschaulich wurden auch die baulichen Veränderungen des Areals in den letzten Jahrzehnten gezeigt. Es ist schon erstaunlich, welche gesetzlichen und Umweltvorgaben es zur Bebauung von Produktionsflächen im Wohnumfeld zu beachten gilt. Mittlerweile sind alle Flächen auf dem Werksgelände bebaut wie die Grafik (Quelle: www.volkswagen-sachsen.de) zeigt.

Grundsätzlich ist das Motorenwerk Chemnitz in die mechanische Bearbeitung, die Motoren- und Baugruppenmontage und die Service-Bereiche gegliedert. Die Produktionsabläufe werden von Hightech-Bearbeitungszentren, technisch anspruchsvollen und komplexen Montagelinien, modernen Prüfzentren und einer exzellent ausgebildeten Belegschaft (derzeit ca. 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) bestimmt. Die Tageskapazität im Motorenwerk Chemnitz liegt bei 3.200 Motoren, 3.500 Satz Ausgleichswellen und etwa 1.000 integrierten Ventiltriebmodulen. (vgl. www.volkswagen-sachsen.de)
Insbesondere die zahlreichen Forschungs- und Entwicklungsprojekte kennzeichnen die Innovationskraft und den Erfolg des Werks Chemnitz, das 2009 als „Fabrik des Jahres“ in der Kategorie „Hervorragendes Innovationsmanagement“ ausgezeichnet wurde. 2014 bekam das Motorenwerk als Industriestandort das Zertifikat in Gold und 2016 in Platin von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen verliehen. (vgl. Besucherbroschüre Volkswagen Sachsen GmbH)

Mit diesen Kennzahlen und Hintergrundinformationen ausgestattet, startete der Rundgang durch zwei der Produktionshallen: die mechanische Fertigung und die Motorenmontage. In letzterer konnten wir den Werkerinnen und Werkern am Fertigungsband direkt über die Schultern bei der Arbeit zuschauen. Und es wurde deutlich, dass trotz einer immer weiter fortschreitenden Technisierung der Abläufe ein großer Teil der Motorenfertigung immer noch in Handarbeit zu erledigen ist und gut ausgebildetes Personal erfordert. Leistungsvorgaben, modernes Fabrik- und Produktionsmanagement, Mitarbeiterbeteiligung, Mitarbeiterfürsorge – alle diese Themen interessierten uns und unsere Fragen wurden geduldig beantwortet.

Die Köpfe voll mit neuen Eindrücken und etwas platten Füßen beendeten wir nach zwei Stunden Fußmarsch unseren Rundgang über das Gelände und durch die Hallen des VW Motorenwerkes. Wir danken unserem Vorstandsmitglied Siegfried Bauer für die tolle Organisation des Ausflugs, den Mitgliedern für ihr Interesse, den Besucherführern für ihre Zeit und ihr Wissen – und hoffen auf eine rege Beteiligung am nächsten Ausflug!

(Text: Cynthia Kempe-Schönfeld)