Das Chemnitzer Carillon – unser Vereinsmitglied Franzpeter Uhlig berichtet

Zu Besuch bei Charillon-Spieler Franzpeter Uhlig

Die Idee, Klänge eines Glockenspiels über den Chemnitzer Markt erschallen zu lassen, geht bis auf das Jahr 1937 zurück. In jener Zeit spendete der Fabrikbesitzer Franz Albin Langer der Stadt ein Kunstuhren- und Glockenspiel mit Figuren und 25 Bronzeglocken. Letztere wurden während des Zweiten Weltkrieges nach Hamburg zum einschmelzen geschafft. Die Glocken blieben aber erhalten im Gegensatz zum Rest der Kunstuhr, welche durch Bombenangriffe mit dem gesamten Alten Rathaus zerstört wurde.

Die Firma Schilling holte nach dem Krieg die Glocken zu sich und restaurierte sie. Nach dem Wiederaufbau des Alten Rathaus konnten sie erneut in den Turm eingebaut werden. Anfangs wurden sie durch manuelles Spiel geläutet. Später baute eine Zwickauer Firma eine Walze ein. Diese harmonierte jedoch nicht gut mit den Glocken und so wurde in den fünfziger Jahren das Glockenspiel stillgelegt.

Anfang der 60er Jahre schrieben interessierte Bürger von Karl-Marx-Stadt vermehrt Leserbriefe an die Presse, weil sie den Klang eines Glockenspiels auf dem Markt vermissten. Der Rat der Stadt nahm dies zum Anlass, um sich erneut an die Firma Schilling zu wenden. Auf Anraten von Franz Schilling sollte nun ein neues und größeres Glockenspiel, auch Carillon genannt, in den Turm des Neuen Rathaus eingebaut werden. Dieser bietet den notwendigen Raum, die nötige Höhe für so ein großes Instrument und die erforderliche Stabilität. Um das Gewicht zu tragen.

Der endgültige Einbau erfolgte erst Anfang 1978. Am 10. Mai des selben Jahres wurde das Carillon im Rahmen der VI. Karl-Marx-Städter Kulturfesttage und anlässlich des 25. Jahrestages der Umbenennung von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt eingeweiht. Das Eröffnungskonzert spielte der junge Frank Müller aus Magdeburg. Zum seinem Programm, welches sieben Punkte umfasste gehörte auch die „Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven. Es war das erste Stück, welches ab 17:00 Uhr auf dem Carillon gespielt wurde.

Insgesamt hat das Chemnitzer Carillon 48 Bronzeglocken, die zusammen 5200 kg wiegen. Davon wiegt allein die größte 957 kg und hat einen Durchmesser von 112 cm. Die kleinste bringt 9,5 kg auf die Waage und misst 20 cm im Durchmesser. Die sechs größten Glocken wurden noch vom Seniorchef ende der Sechziger Jahre gegossen und tragen das Staatswappen der DDR. Die größte enthält zu dem die ersten Verse von Brechts Kinderhymne als Inschrift. Die restlichen Glocken, sowie der Glockenstuhl wurden durch den Juniorchef Peter Schilling fertiggestellt.

Eine Etage unter der Glockenstube befindet sich ein Spieltisch, der mit großen Stocktasten und -pedalen versehen ist, über die der Glockenspieler die Glocken erklingen lassen kann. Diese Aufgabe übernahm nach dem Eröffnungskonzert für viele Jahre Peter Franz. Ab 2003 bildete er seine Nachfolger aus, zu denen heute auch Franzpeter Uhlig gehört.

Es ist zur Tradition geworden, dass das Carillon immer Samstags von 10:00-10:30 Uhr spielt. Mit den Bläserensembles ist es Teil des Klingenden Rathaus geworden. Seit 2007 erklingt es für die Chemnitzer und Gäste nun auch Mittwochs in derselben halben Stunde. Ab 2016 spielt das Carillon auch Freitags von 16:30 – bis 17:00 Uhr.

Es ist auch Teil vieler Veranstaltungen geworden. So war es Gastgeber des Internationalen Glockenspielertreffens von 1982 und dem Jubiläum 100 Jahre Neues Rathaus von 2011. Ebenso war es Teil des Deutschen Musikfestes, welches 2013 in Chemnitz stattfand. Seit 2014 besteht auch eine Kooperation mit dem Betreiber des Weindorfes, so dass dieses Großereignis fast jedes Jahr von Carillonklang begleitet wird. Auf Initiative von Franzpeter Uhlig fand am 10.10.2015 das 1. Sächsische Carillontreffen in Chemnitz statt. Daran nahmen Gäste aus Lößnitz und Schirgiswalde teil. Im Jahr 2018 wird anlässlich der 875-jahr-Feier der Stadt Chemnitz auch ein besonderes Jahr für das Chemnitzer Carillon sein. Das Carillon wird am 20. Mai 2018 40 Jahre alt. Franzpeter Uhlig blickt am 26. April 2018 auf 15 Jahre zurück, seit er das erste Mal auf dem Turm beim Instrument war. Daher wird es im Jahr 2018 neben den normalen Spielzeiten auch einige Sonderspielzeiten geben.

Diese sind wie folgt:

  • 03. März (Freitag) offizielles Eröffnungsspiel
  • 21. April Frühjahrskonzert
  • 10. Mai Festkonzert 40 Jahre Chemnitzer Carillon
  • Ende Juli / Anfang August zum Weindorf
  • 20. Oktober zur Jahreshauptversammlung der Deutschen Glockenspielvereinigung in Chemnitz
  • 27. Oktober Herbstkonzert
  • Weihnachtstermine

 

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